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Hier geht es um den dreitägigen Ausflug nach Monza, wo Mathys, Eva, Dave und ich das Formel-1-Rennen 2002 besucht haben. Es war für uns alle das erste Live-Rennen.
Die Vorbereitung
Schon früh wollten Mathys und ich einmal zusammen ein Formel-1-Rennen besuchen. Im Sommer 2002 entschieden wir uns dann, nach Monza zu fahren. Auf der Suche nach Tickets wurde ich auf die Tripi AG aufmerksam, wo ich mich auch gleich wegen Tickets und ähnlichen Sachen informierte. Zu meiner Überraschung dauerte die Bestellung und alles ganz schnell. Am Montag telefonierte ich Tripi, damit ich einen Katalog erhalte. Dieser traf bereits am Dienstag ein. Am Mittwoch waren Mathys und ich dann sicher, dass wir gemeinsam ans Rennen fahren möchten. Wir haben noch Dave gefragt, ob er nicht auch Lust hätte, mitzukommen, und er sagte auch zu. Am Mittwoch bestellte ich also die Karten, und die Rechnung kam am Donnerstag auch schon an. Wir hatten 10 Tage Zeit, diese zu bezahlen, ansonsten wären unsere Karten futsch gewesen. Da Mathys und ich aber ab Samstag für acht Tage auf der Kreuzfahrt waren, blieb uns nur noch der darauf folgende Montag, um die Rechnung zu bezahlen. Und so kam es dann auch, am Montag nach den Ferien bezahlte ich die Rechnung und wartete seither auf die Karten. Etwa 10 Tage vor unserer Abreise nach Monza waren diese dann bei mir eingetroffen.
Als ich Eva von den günstigen Preise erzählt habe, war sie ebenfalls interessiert, nach Monza zu kommen, und so bestellte sie sich selber auch noch eine Karte für den Rennsonntag. Es gab ein problem mit dem überweisen, sie hatte beim einzahlen etwas übersehen und so kam das geld nie bei tripi an. Irgendwie klappte es dann aber doch noch mit dem Ticket, und so konnte dann auch sie mitkommen.
Die Anreise
Am Freitag, den 13. September 2002 war es endlich so weit: Andy Mathys und ich brachen zu unserem ersten Formel-1-Rennen live vor Ort auf! Mit dem Zug fuhren wir nach Monza, um dort den Grossen Preis von Italien zu sehen. Es war Freitag der Dreizehnte, aber das kümmerte uns wenig, da uns reeny mit Glücksbringern versorgt hatte. *dafüreinenmuntschgeb*
Um 5.30 Uhr musste ich aufstehen, um 6.27 Uhr fuhr mein Zug nach Bern. Zum Glück konnte mich meine Mutter bis zum Bahnhof in Düdingen bringen, denn mit meiner schweren Tasche hätte ich das wohl nicht in so kurzer Zeit geschafft. Jedenfalls war ich sehr nervös, und ich musste mehrmals die Toilette aufsuchen, bevor ich mich endlich gut fühlte. Kurz vor sieben Uhr kam ich in Bern an, wo ich mich zum Treffpunkt begab, um dort auf Mathys zu warten. Plötzlich lief er an mir vorbei und blieb dann etwa 10 Meter neben mir stehen. Er hat mich einfach übersehen. *kopfschüttel* Also ging ich zu ihm und begrüsste ihn ein wenig genervt. Gemeinsam gingen wir dann zu unserem Zug, dem Cisalpino, der uns nach Mailand bringen sollte. Um 7.34 Uhr fuhr dieser, und wir haben es uns gemütlich gemacht. Zu dritt waren wir im Abteil, eine etwas ältere Frau verliess den Zug aber unterwegs und es kam ein anderer Fahrgast zu uns, mit dem wir uns dann ein wenig unterhielten. Er fragte uns, wo wir denn hinfahren möchten, und wir erklärten ihm alles. Er gab uns noch einen tollen Tipp: In Mailand sollten wir kurz aus dem Bahnhof rausgehen, wenn wir das Hochhaus sehen möchten, in das vor etwa einem halben Jahr ein Flugzeug hineingekracht war.
Nach etwas mehr als drei Stunden Fahrt trafen wir dann in Mailand ein und wir hatten 35 Minuten Zeit, um den Zug Richtung Monza zu suchen. Zuerst gingen wir aber noch raus auf den Vorplatz und fotografierten das Hochhaus, welches seit dem Zwischenfall nicht repariert wurde und immer noch genau gleich aussah. Man konnte sehr gut die Stelle sehen, wo das Flugzeug ins Gebäude gekracht war, denn an reparieren dachten die Italiener nicht.
Um 11.25 Uhr fuhr unser Zug Richtung Monza weiter, doch dummerweise gab es zwei Züge, die um diese Uhrzeit fuhren. Einer nach Bergamo, einer nach Dortmund. Logo, dass wir den nach Bergamo nehmen wollten, da Dortmund doch schon wieder ein wenig in die falsche Richtung ging. Doch wir erkundeten uns vorher am Schalter, und das war auch gut so, denn wir mussten tatsächlich den Zug in Richtung Dortmund nehmen. Etwa 10 Minuten vor Abfahrt waren wir im überfüllten Zug und freuten uns auf die Abfahrt.
Der erste Tag an der Rennstrecke
Pünktlich um 11.37 Uhr kamen wir in Monza mit dem Zug an. Am Bahnhof wartete auch schon ein kleiner Shuttle-Bus, der uns und viele weitere Fans zur Strecke bringen sollte. Doch der Shuttlebus stellte sich eher als Schüttelbus heraus, wenn man sich eine Sekunde nicht festgehalten hat, dann lag man auf dem Boden. Die Fahrt dauerte zirka 20 Minuten, und im Bus war es drückend heiss. Platz zum bewegen hatte man kaum, es wollten einfach zu viele Leute an die Rennstrecke. Irgendwie schafften wir es dann doch, aber als der Bus anhielt, wollte niemand aussteigen, da wir dachten, dass wir noch nicht bei der Rennstrecke waren, denn von der Formel 1 war noch lange nichts in Sicht.
Als sich die ersten dann entschieden, den Bus zu verlassen und den Rest zu laufen, stolperten auch wir mit unserem Gepäck aus dem Bus und liefen in Richtung Strecke. Kaum haben wir die erste Strasse überquert, da stoppten wir schon wieder. Es gab den ersten F1-Laden, den ich je gesehen hatte! Kein Wunder also, dass ich dort eine Zeit lang verweilen wollte, und auch Mathys wollte die Fanartikel ein wenig anschauen. Plötzlich fiel mir die Kanadafahne ins Auge. Ich erkundigte mich sofort nach dem Preis. 10 Euro für so eine riesen Fahne, die musste ich haben! Das Geld war ich los, dafür hatte ich eine Kanadafahne. JIPIE! Jetzt konnte es also losgehen.
Der Weg zur Rennstrecke gestaltete sich schwieriger als wir gedacht haben. Unsere Taschen waren schwer, hinzu kam noch das ca. 10 kg schwere Zelt, das wir ebenfalls mitnehmen mussten. Eine knappe halbe Stunde später waren wir dann bei den ersten Wegweisern, auf denen so klangvolle Namen wie Parabolica standen. "Wir haben es geschafft", dachten wir, aber das war ein Missverständnis. Wir erkundigten uns bei einem Ticketverkäufer, wo denn unsere Plätze seien und wo wir unser Zelt aufschlagen könnten, und der schickte uns nach links. OK, wir marschierten mit dem ganzen Gepäck los, und liefen, und liefen, und liefen... Gegen 12.45 Uhr waren wir dann endlich bei einer Tribüne angelangt. Nach einer kurzen Diskussion entschieden wir uns, das freie Training von dieser Tribüne anzuschauen und das Zelt erst später aufzustellen. Also gingen wir mit dem gesamten Gepäck durch die Billetkontrolle und auf die Tribüne. Zu unserer Überraschung waren wir gerade auf der Haupttribüne angelangt, wir sahen genau auf die Boxengasse. Wenn das kein Zufall war. Wir machten es uns in der untersten Reihe so gemütlich wie möglich, damit wir nicht noch extra weit marschieren mussten mit unserem Gepäck. Mathys nahm dann mal seine Ohrenschütze hervor, ich hatte keine dabei. Sooo schlimm konnte es ja nicht sein. Doch ich täuschte mich. Als der erste Motor aufheulte, hoffte ich, dass dies der lauteste war. Aber da gibt es in der Formel 1 keine grossen Unterschiede. "Naja, ich werde es überleben", dachte ich und freute mich auf meine ersten 60 Minuten Formel 1.
Das Gefühl, als der erste F1-Bolide die Box verliess, ist einfach unbeschreiblich. Zuerst freute ich mich riesig, dass mein Kindheitstraum endlich Wirklichkeit geworden ist. Dann hoffte ich, dass bald auch die anderen 21 Fahrer die Strecke verliessen, doch dann fiel mein Blick auf die leere Arrowsbox, und so hoffte ich eben, dass die andere 19 Fahrer auch rausfahren würden. Bis zum Schluss haben alle Fahrer die Box verlassen, und ich war schon mal fleissig mit fotografieren. Zuerst habe ich zu früh abgedrückt, da ich die Autos ganz sicher auf dem Foto haben wollte. Zwischendurch gab es dann einige Risiko-Fotos, wo ich nicht durch die Linse geschaut habe. Die meisten Fahrzeuge sollte ich aber gut getroffen haben.
Aber noch einmal zu den Gefühlen, da möchte ich noch ein wenig mehr schreiben, denn immerhin war es für mich etwas spezielles. So ein Motor ist wirklich mit nichts zu vergleichen. Wenn man einen Düsenjet über seinen Kopf fliegen sieht und ihn hört, dann ist er meist noch ziemlich weit weg, und trotzdem denken wir, dass der Lärm kaum mehr zu überbieten ist. Aber die F1-Motoren haben es geschafft. Hinzu kam noch der Widerhall von der abgedeckten Tribüne. Mein mulmiges Gefühl im Bauch verschwand aber langsam, und bis zum Schluss des Trainings genoss ich alles nur noch. Die Kanadaflagge blieb bis dahin noch im Sack verstaut, ich wollte ja den anderen Zuschauern nicht die Sicht versperren.
Nach dem Training zogen wir wieder auf, wir haben nochmal auf dem Plan geschaut, wo es einen Zeltplatz gab, und zu unserem Erschrecken mussten wir die ganze Strecke wieder zurückmarschieren. Die Helferinnen und Helfer an der Strecke konnten uns den genauen Weg nicht sagen, doch als wir wieder beim Ausgangspunkt waren, fragte uns dann eine Helferin ganz freundlich, ob wir eine Frage hätten. Sie konnte uns dann auch ganz genau sagen, wohin wir gehen mussten. Leider war es eine weitere lange Strecke, die wir zurücklegen mussten, natürlich erneut mit dem gesamten Gepäck.
Als wir dann zur nächsten Ticketkontrolle kamen, rissen uns die Bewacher dort das Ticket ab, und zwar gleich alle Teile, von Freitag bis Sonntag. Wir konnten es nicht ändern und marschierten auf das Gelände, in der Hoffnung, dass wir auch das ganze Wochenende wieder mal direkt an die Strecke gehen konnten. Um ca. 15 Uhr waren wir dann auf dem Zeltplatz angelangt und wir suchten uns ein gemütliches Plätzchen nahe dem Wald und auch einigermassen nahe bei den Toiletten. Man kann ja nie wissen... Wir stellten das Zelt auf, wobei dies eine weile dauerte. Ein Viererzelt, dass vorher weder Mathys noch ich einmal gesehen, vergesse denn aufgestellt hatten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es uns einigermassen problemlos. Zwischendurch wurden wir auch noch von einem Organisator gestört, der uns fragte, wie viel wir für den Zeltplatz bezahlt haben. Natürlich haben wir nichts bezahlt, aber wir sagten ihm einfach den Preis für die Tickets für die Formel 1. Nach einer längeren Diskussion zog er dann zufrieden davon, wahrscheinlich haben wir etwas falsch gemacht, aber sind doch noch mit Glück kostenlos davon gekommen. Gegen 15.30 Uhr stand das Zelt dann mehr oder weniger sicher. Da zu diesem Zeitpunkt gerade das Formel 3000-Qualifying lief, entschieden wir uns, die am nähesten gelegene Tribüne aufzusuchen und es uns dort bequem zu machen. Als wir ankamen, war bereits ein Auto vor der Parabolica (da hockten wir nun also) zum Stehen gekommen, doch es war kein Fahrer in Sicht. Wahrscheinlich war der Zwischenfall schon eine Weile her. Egal, wir genossen es, auch mal die Junioren zu sehen, und am Schluss waren wir uns ziemlich sicher, dass Tomas Enge gewonnen hat. Der Speaker hat dies wohl so durch den Lautsprecher gesagt (wir verstehen ja kein italienisch). Nach dem Qualifying gingen wir wieder zurück zum Zelt und machten es uns dort ein wenig bequem, da wir bisher ziemlich weit gelaufen waren. Doch unser Stopp dauerte nur kurz, ich drängte Mathys wieder aus dem Zelt, weil ich mal um die Strecke marschieren und die Landschaft erkunden wollte.
Als das freie Training für die Porsche Michelin's begann, waren wir mitten in der Strecke. Wir wollten zur Lesmo-Kurve gehen, um dort nach möglichen Stehplätzen für die kommenden Tage zu suchen. Doch die Suche war erfolglos, wir fanden keine vernünftigen Stehplätze. Auf der Tribüne in der Lesmo-Kurve ruhten wir uns wieder ein wenig aus und schauten den Porsches zu. Die sahen zum Teil richtig gut und schnell aus. Jedenfalls erfreuten wir uns auch ab diesen Autos.
Nach dem Training marschierten wir weiter, ich hatte meine Kanadafahne mittlerweile um die Schultern gebunden. Wir marschierten ziellos in der Gegend herum, Mathys erinnerte sich immer wieder an den OL, wo er die Orientierung verloren hatte, aber ich versuchte mich so gut wie möglich an der Strecke zu orientieren. Am Schluss waren dann meine Anstrengungen vergebens, aber wir fanden den Weg zurück gemeinsam doch wieder einigermassen schnell. Unterwegs wurde ich einige Male mit "ALLEZ JACQUES!" und "ALLEZ CANADA!" begrüsst, was mir natürlich sehr gefiel. Ich rief dann meist das gleiche zurück, da ich noch ziemlich überrascht war, schon am Freitag so viele Villeneuve-Fans zu sehen.
Plötzlich standen wir wieder im Zentrum des Geschehens, es gab 3 offizielle Fanshops gleich nebeneinander. Wir schauten rein, um uns ein paar Sachen einzukaufen, doch alles war sehr teuer, und so liessen wir es dann doch sein. Wir gingen wieder zurück zum Zelt und entspannten uns noch ein wenig. Gegen Abend verliessen wir das Gelände wieder und sahen eine lange und rote Einkaufsstrasse. Trotzdem entschieden wir uns, dort mal vorbeizuschauen. Ich suchte lange nach einem Villeneuve-Hut, den ich dann allerdings nicht fand. Mathys kaufte sich eine McLaren-Fahne, ich sah noch eine BAR-Fahne, die ich kaufen wollte. Doch 20 Euro waren zu viel, denn sie war etwa halb so gross wie die Kanada-Fahne. Apropos Kanada-Fahne, die hatte ich natürlich immer noch dabei. Ich verbrachte das ganze Wochenende mit ihr, ausser in der Nacht zog ich sie aus. Man braucht es ja nicht zu übertreiben. Ich habe allerdings gemerkt, dass es in dieser Einkaufsstrasse auch Kanadafahnen mit Stock für 10 Euro gab, also habe ich ein bisschen zu früh eingekauft. Hinzu kam, dass meine Kanadafahne das Loch für einen Stock oben hatte, und nicht unten. Ich hatte zum Glück Sicherheitsnadeln dabei, und so riss ich unten den Faden auf und schloss oben das Loch mit diesen Sicherheitsnadeln. So konnte ich die Fahne dann doch ein wenig schwenken, wenn mir Mathys den Stock von seiner Fahne borgte.
Gegen 21 Uhr wollte ich noch einmal zur Haupttribüne gehen, da wir dort am Nachmittag die F1-Stände von einigen Teams gesehen hatten. Als wir dort nach einem wieder etwas langen Marsch eintrafen, hatten die Stände allerdings schon alle geschlossen und Mathys war ein wenig sauer auf mich. Konnte ich auch verstehen. Wir tranken etwas und stärkten uns mit etwas zu Essen, bevor wir dann wieder in Richtung Zeltplatz aufbrachen und uns dann bald einmal schlafen legten.
Samstag, der 14. September
Nach einer kurzen und saumässig kalten Nacht standen wir ziemlich früh auf, wir wollten ja nichts verpassen. Gegen acht Uhr gingen wir zur Strecke und stärkten uns vorher noch mit Pepsi, bzw. Kaffee (Mathys) und einem Sandwich. Als wir bei unseren Stehplätzen zwischen der Variante Ascari und der Parabolica ankamen, mussten wir schon nach einem Platz suchen, denn es hatte schon ziemlich viele Leute. Wir beschlossen sofort, am nächsten Tag früher zu kommen. Wir warteten dann bis 9 Uhr, ehe das freie Training begann. Es gab wieder viel Lärm von den Fahrzeugen und viele Fotos von mir, aber ansonsten eigentlich nicht viel zu berichten. Anders war das vierte Training, welches gleich danach stattfand. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es das vierte oder das dritte war, aber spielt ja eigentlich keine grosse Rolle. Jedenfalls war es so, dass plötzlich keine Autos mehr kamen. Warum? Naja, plötzlich sahen wir rote Flaggen. Und dann kamen die Fahrer langsam wieder (sie mussten ja noch an die Box fahren). Nach etwa 10 Minuten ging das Training weiter und die Fahrer kamen wieder zurück auf die Strecke. Am Schluss fehlten noch drei Fahrer: Jacques Villeneuve (mein Lieblingsfahrer), Kimi Räikkönen (der Lieblingsfahrer von Mathys) und Rubens Barrichello. Wir beide waren sehr nervös, weil wir natürlich beide hofften, dass nicht unser Lieblings abgeflogen war. Plötzlich kam dann mal Jacques Villeneuve und ich war überglücklich. Als dann wenige Sekunden später auch Kimi Räikkönen bei uns vorbeifuhr, war auch Mathys hell begeistert, die anderen Fans um uns herum schauten dagegen weniger glücklich aus.
Nach dem vierten Training mussten wir immer abwechselnd an der Strecke bleiben, denn die Plätze waren heute sehr begehrt. Der eine holte ab und zu etwas zu essen, der andere besetzte unsere beiden Plätze. Eine gute Strategie, denn auch um ein Uhr waren wir nicht 1 cm verrutscht. Das Qualifying konnte beginnen, wir waren beide bereit. Die Motoren dröhnten noch einmal mehr, als Alex Yoong das erste Mal bei uns vorbei fuhr. Kein Wunder, immerhin kritzeln die Teams beim Qualifying noch die letzten PS aus dem Motor heraus. Wir hatten natürlich keine grosse Hoffnung, das Endergebnis mitzubekommen. Doch vom Tempo her haben wir auf Schumacher vor Montoya oder umgekehrt getippt. Und es war dann zum Schluss auch umgekehrt, wir hatten uns also nicht gross geirrt. Kurz vor Ende des Qualifyings gab es dann erneut die rote Flagge. Villeneuve kam wieder nicht mehr heraus, Räikkönen auch nicht. Aber es waren noch viele andere Fahrer, die nicht mehr kamen. Zum Schluss wurde dann der Wagen von Sato auf dem Lastwagen bei uns vorbeigefahren, also musste er abgeflogen sein. Wenig später kam dann auch noch das Auto von Kimi Räikkönen auf dem Laster vorbei, also war auch er abgeflogen. Keine Ahnung, wegen wem es nun die rote Flaggen gegeben hatte. Aber wenigstens waren beide unverletzt...
Mathys freute sich besonders auf das F3000-Rennen, welches um 15 Uhr begann. Ich freute mich auch ein wenig, aber nicht ganz so sehr wie Mathys. Doch komischerweise schaute ich dann das ganze Rennen, während Mathys nach zwei Runden meine Zeitschrift las und zwischendurch auch noch einschlief... Trotzdem wusste ich zum Schluss nicht, wer gewonnen hatte. Ehrlich gesagt hat es mich auch nie gross interessiert, Hauptsache ich habe wieder ein paar Fahrzeuge gesehen.
Nach dem F3000-Rennen gingen wir nochmal hinter die Haupttribüne und endlich waren die Stände wieder geöffnet! Wir besuchten jeden einzelnen, sahen viele Fahrzeuge und auch viele Fanartikel, aber zu meiner Enttäuschung gab es keinen einzigen schönen Hut von Jacques Villeneuve. Auch von Kimi Räikkönen gab es nicht viele Fanartikel, weshalb wir dann wenig später enttäuscht wieder von dannen zogen. Doch wir gingen gleich noch einmal in die Einkaufsstrasse. Dort schaute ich jeden BAR-Hut doppelt an, und zu meiner Überraschung fand ich plötzlich einen, auf dem vorne Lucky Strike Racing steht und hinten British American Racing Honda, die Nummer 11 und der Helm von Jacques Villeneuve! Keine Frage, diesen Hut musste ich kaufen! Kurz testen: Passt perfekt! Und wieder war ich 26 Euro los. Weiter ging es die Strasse entlang, nochmals zum Stand mit der BAR-Fahne. Die wollte ich jetzt auch noch haben. Ich entschied mich, die Fahne zu kaufen, sobald der Verkäufer bereit ist, sie für 13 Euro zu verkaufen. Ich fragte also, wie teuer die Flagge denn sei, und er sagte: 20 Euro. Sein Kollege, der zweite Verkäufer, widersprach gleich: "Nein, die kostet noch 15 Euro!" Da habe ich zugesagt. Die 2 Euro... Stört ja eigentlich nicht. Der Verkäufer suchte nach einer Fahne, fand aber keine mehr, weshalb er mir das Ausstellmodell gab. Da die Fahne noch ein wenig Schmutzig war und der Stab (Karbonstab, das muss man erwähnen, fand jedenfalls der Verkäufer) voller Klebeband war, sagte ich, dass die nicht ganz so viel Wert sei. Für 13 Euro würde ich diese auch nehmen, ansonsten nicht. Der Verkäufer war einverstanden und so bekam ich meine Fahne zu meinem Wunschpreis. Nun war ich bereit für den Rennsonntag!
Bevor wir aber wieder das Nachtleben genossen, mussten wir noch Eva und Dave abholen, die am Samstagabend in Monza eintrafen. Als sie am Bahnhof ankamen, warteten wir bereits vor der Rennstrecke auf sie. Doch wir warteten sehr lange. Etwa eine Stunde lang. Mathys und ich versuchten immer, die beiden anderen frühzeitig zu erkennen, aber meist scheiterten wir, denn es waren meist zwei Männer oder zwei Frauen... Halb so wild. Sie kamen dann doch, mit einem breiten Lachen im Gesicht, als sie Mathys und mich in voller Fanmontur sahen. Wir begrüssten sie und zogen gleich weiter in Richtung Zeltplatz, sie sollten ja noch einiges sehen heute. Und das Zelt wollten wir noch vor Einbruch der Dunkelheit einrichten...
Nachdem wir beim Zelt waren, gingen wir wieder zur Einkaufsstrasse, um etwas zu essen. Wir mussten lange warten, bis wir unsere Pizza endlich bekamen. Doch Eva hatte noch weniger Glück, sie bestellte irgendwelche Teigwaren und musste noch ca. 15 Minuten länger warten als wir...
Als wir dann wieder auf das Formel-1-Gelände gehen wollten, kamen uns zwei Villeneuve-Fans entgegen. Sie beide und ich unterhielten uns kurz ein wenig, Mathys, Dave und Eva zogen schon weiter. Mir blieb also nicht viel Zeit. Die beiden versuchten mir auf italienisch (!) klar zu machen, dass sie mich später nochmal treffen möchten, doch ich sagte ihnen nur "I don't understand, do you speak english?". Plötzlich haben sie es kapiert und mit ihren ca. 4 Wörtern, die sie englisch sprechen konnten, versucht zu erklären, dass sie in einer halben Stunde wieder hier sind und mit mir ein bisschen Party haben möchten. Ich habe mir die Uhrzeit gemerkt und gesagt, dass ich mal schauen müsse, ob die anderen auch Lust hätten. Wahrscheinlich haben sie es aber sowieso nicht verstanden. Egal, wir waren dann zu diesem Zeitpunkt etwa 50 Meter vom Treffpunkt entfernt und ich sah die beiden nicht mehr...
Kaum waren Eva, Dave, Mathys und ich auf dem Zeltplatz angelangt, sahen wir, dass das Zelt langsam zusammenfiel. Das Vordach war zusammengebrochen, aber der Rest stand noch stabil. Nicht so schlimm, das Vorzelt brauchten wir sowieso nicht wirklich. Als sich Eva und Dave ein wenig eingerichtet hatten, gingen wir wieder in die Einkaufsstrasse, wo sich die beiden mit Fanartikeln einkleiden wollten. Eva kaufte einen Schlüsselanhänger, Dave eine Renault-Fahne.
Anschliessend gingen wir zur Strecke zurück, die beiden Neuankömmlinge wollten die verlassene Strecke schon mal sehen, und wir zeigten ihnen die Plätze, an denen wir am morgigen Sonntag das Rennen anschauen wollten. Danach gingen wir noch einmal in die Mitte der Strecke und erklärten ein wenig, wo was war. Danach war es schon wieder ziemlich spät und wir wollten ins Zelt zurückkehren. Vorher musste sich Dave aber nochmal stärken, er kaufte beim letzten Einkaufsstand vor dem Campingplatz ein Sandwich und was zu trinken und wir setzten uns vor den Stand an einen Tisch. Es war mittlerweile Mitternacht, also höchste Zeit, mit dem Bericht einen kurzen Unterbruch zu machen.
Der Rennsonntag, der 15. September
Der Sonntag hatte begonnen, langsam wurde ich kribbelig, Das Rennen begann in 14 Stunden. Gut so, denn viel länger hätte ich wohl nicht mehr warten können. Doch jetzt fahre ich erst einmal mit dem Bericht von gestern Abend, bzw. eben heute Morgen früh weiter. Plötzlich kam die örtliche Polizei bei uns vorbei und hielt an. Der Fahrer (wahrscheinlich war er es, sonst eben der Beifahrer) schaltete das Mikrofon ein und sagte: "Canada!" Ich lächelte, und er kurbelte das Fenster runter. Wir begannen ein wenig zu plaudern, und dann fragte er mich: "Schumacher?" Ich antwortete natürlich mit "No, Villeneuve", und dann fragte er auch Mathys. Der antwortete ebenfalls mit einem Nein und sagte, dass er für Räikkönen sei. Das gleiche Spiel bei Eva, und auch Dave fragten sie, ob er für Schumacher sei. Er antwortete mit "Trulli", und der Polizist war wohl ein wenig enttäuscht, dass von vier Leuten niemand für Schumacher war. Wir diskutierten noch ein wenig zusammen und die Polizei fuhr dann weiter. Es waren wirklich ganz nette Leute.
Dann gingen auch wir endlich schlafen, wir waren alle sehr müde. Wir entschieden uns, dass der erste, der nach sieben Uhr aufwachte, alle anderen ebenfalls wecken sollte, damit wir früh genug an der Rennstrecke waren.
Um ca. 7.45 Uhr erwachte ich, doch niemand hatte mich geweckt. Also schüttelte ich kurz Mathys durch, der dann ebenfalls erwachte, und Dave war dann auch gleich wach. Auch bei Eva dauerte es nur wenige Sekunden, bis sie die Augen ebenfalls öffnete. Das Aufstehen fiel wohl niemandem wirklich schwierig, wir taten es ja heute für einmal mit Freude. Zum Frühstück gab es dann wieder das gewohnte, Sandwich mit Pepsi war es wieder bei mir. Um 8.15 Uhr waren wir an der Strecke, doch viel Auswahl für die Plätze hatten wir nicht mehr. Wir entschieden uns, irgendwo in der zweiten Reihe zu stehen, wo noch einer im Schlafsack pennte (da gab es einige). Da er die Füsse sowieso einziehen würde, wenn er erwachte, hatten wir danach zu viert auch genügend Platz. Mir kam dann mal mein Kollege in den Sinn, der heute auch noch anreisen wollte, und ich schrieb ihm ein SMS, ob er schon an der Strecke sei. Etwa 10 Minuten später kam die Antwort: "Wir sind gerade in Ambri..." Hehe, viel Spass beim Platz suchen, dachte ich und schaute zuerst einmal, dass ich mir meinen Platz verteidigen und eventuell noch einen besseren Platz erkämpfen könnte. Um 9.30 Uhr hatte sich nichts getan, es war kein besserer Platz in Sicht. Also stellten wir uns auf ein Warm-Up mit mittelmässigen Plätzen ein. Das Warm-Up war dann nicht sehr spektakulär, abgesehen von erneut viel Lärm gab es nichts, keine roten Flaggen, keinen Motorschaden, keine Ausfälle vor uns, fast keine Überholmanöver... Naja, egal, es gab ja noch das Rennen. Doch vorher freuten wir uns auf das Porsche Michelin Rennen, welches nur 15 Minuten nach dem Warm-Up begann. Da niemand von uns jemanden aus dieser Serie kannte, schauten wir einfach nicht sehr interessiert zu. Das Rennen war ziemlich schnell vorbei, wie viele Runden die Porsches drehten wussten wir nicht. Alle winkten ein wenig bei ihrer Rückkehr, und wir winkten natürlich zurück. Um 11.15 Uhr ging es dann los mit der Fahrerparade. Da wir ziemlich am Schluss der Strecke waren, rechneten wir nicht mit einer Ankunft vor 11.30 Uhr, und so war es dann auch. Ziemlich genau um halb zwölf Uhr begannen die ersten Fans in unserer Reihe zu tröten, das war für alle das Zeichen, die Fotoapparate bereit zu machen. Das tat natürlich auch ich, und wenige Sekunden später sauste auch schon der Truck mit den Fahrern durch. Es blieb fast keine Zeit, Fotos zu schiessen, so schnell ging alles. Ich habe einfach drei mal abgedrückt und gehofft, dass etwas zu erkennen ist, denn live habe ich nichts mitbekommen, da ich ein wenig durch die Linse geguckt habe und nicht speziell auf die Fahrer. Um ehrlich zu sein: Wir kamen uns vor wie der letzte Dreck. Die Formel 1 behandelt wohl nur die Fans gut, die auch dementsprechend bezahlen, und das sind die Sitzplätze. Von der Fahrerparade waren wir alle sehr enttäuscht.
Nach der Fahrerparade verliessen viele Leute ihre Plätze wieder, uns das ermöglichte uns die Chance, bis zum Zaun vorzudringen. Wir belegten also die erste Reihe bei den Fans, auch ein kleiner Erfolg. Abwechselnd gingen wir wieder was essen oder zur Toilette, damit unsere Plätze immer schön reserviert blieben. Mein grosses Plastik, das ich mitgenommen hatte, half dabei natürlich auch. Gegen 13 Uhr waren wir dann alle wieder auf der Tribüne versammelt, freie Plätze gab es keine mehr, aber wir haben es uns ja bequem gemacht. Ich steckte meine BAR-Fahne in den Maschendrahtzaun und wartete gespannt auf das Rennen. Ab 13.30 Uhr kamen dann alle Fahrzeuge mindestens einmal vorbei, vor allem Webber ist mir aufgefallen, der etwa noch drei Runden gedreht hatte. Die meisten fuhren aber nur einmal durch und reihten sich dann gleich in der Startaufstellung ein. Als dann die Einführungsrunde begann, waren wir alle wieder sehr nervös, wir wussten nicht so recht, was uns erwarten würde, ausser dem grossen Lärm. Schon bei der Einwärmrunde war mir klar, dass dies meinen Ohren schaden würde. Aber ich musste mich damit abfinden und dachte nicht lange darüber nach. Zu kurz war sowieso die Zeit, denn schon fuhren die Fahrer bei uns das erste Mal durch. Ralf Schumacher vor Montoya, Michael Schumacher und Rubens Barrichello. Ich freute mich, denn ich wollte keinen Ferrari-Sieg sehen. Doch die Freude hielt nur kurz, als die Autos zum vierten Mal bei uns durchfuhren, lag plötzlich Rubens Barrichello vor Juan-Pablo Montoya und Michael Schumacher, Ralf Schumacher kam gar nicht mehr. Ich war mir ziemlich sicher, dass Ralf seinen Teamkollegen von der Strecke gedrängt hatte und selber nicht mehr zurückkam, während Barrichello vom Ausflug von Montoya profitieren konnte. Doch so war es nicht, wie ich am Dienstag in der Zusammenfassung sah.
Die Fahrer drehten einsam ihre Runden, David Coulthard musste sich nach einem frühen Boxenstopp schon bald überrunden lassen. Plötzlich klebte Schumi Montoya am Heck und es war nur eine Frage der Zeit, bis der Deutsche am BMW-Williams-Fahrer vorbeiziehen konnte. Irgendwann schaffte er es und die Ferrari-Doppelführung war perfekt. Die Fans um uns herum grölten und tröteten, was das Zeug hielt. Ich dagegen machte zwischendurch ein Foto und schwenkte in unregelmässigen Abständen meine BAR-Fahne, als Panis oder Villeneuve bei uns vorbeifuhren.
Immer wieder fuhren die Fahrer bei uns durch, und plötzlich hörte sich der Motor vom McLaren von Räikkönen ziemlich merkwürdig an. Nur etwa 100 Meter von uns entfernt wurde Kimi dann auch sehr langsam, der Motor begann zu rauchen und Kimi fuhr auf die Wiese und musste das Rennen aufgeben. Leider war der Rauch nicht so dick wie es im Fernseher meist ist und Kimi war schon zu weit weg, so dass ich gleich auf ein Foto verzichtete. Je länger das Rennen dauerte, umso verwirrter waren wir. Auf einmal kam dann Montoya nicht mehr bei uns vorbei, er hatte das Rennen an der Box aufgegeben, was wir natürlich nicht mitbekommen haben.
Plötzlich glaube ich, dass nur noch Barrichello und Schumacher in einer Runde seien, was sich dann auch bestätigte. Die verschiedenen Boxenstopps machten uns zudem ebenfalls zu schaffen, ich dachte, dass nur Schumi und Villeneuve auf einer Einstopp-Strategie unterwegs waren, aber alles war ganz anders. Viele gingen früh rein für den einzigen Boxenstopp und wenige Fahrer machten dies spät. Rubens Barrichello war sogar einer der einzigen, die zwei Mal tankten. So kam es dann auch, dass ich plötzlich dachte, dass Villeneuve in die Punkte fahren könnte. Doch mein Wunsch ging nicht in Erfüllung, stattdessen kämpfte Olivier Panis mit einem Renault (die konnte man sehr schlecht unterscheiden) um Platz 5. Doch Panis zog den Kürzeren. Trotzdem feierte ich den Franzosen immer mit meiner BAR-Fahne, als er bei mir vorbei fuhr, genau so wie Jacques Villeneuve. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie auf der Geraden meine Fahne anschauten, aber dem war wohl nicht so...
Zum Schluss fuhren beide Ferraris auffallend langsam, so dass ich dachte, Rubens Barrichello müsste Schumi wie in Österreich vorbei lassen. Doch in der nächsten Runde erwies sich alles als Irrtum, die beiden Fahrer fuhren nebeneinander an uns vorbei und winkten, die Fans jubelten und tröteten. Das Rennen war also vorbei, Barrichello gewann vor Schumacher. Dritter wurde zu unserer Überraschung ein Jaguar, Eddie Irvine war es, der als erster Fahrer, der nicht von den Topteams ist, aufs Podium fahren konnte. Vierter und fünfter wurden die beiden Renaults (wir wussten immer noch nicht, wer weiter vorne war), sechster Olivier Panis. Als er bei uns durchfuhr, schwenkte ich meine BAR-Fahne ganz besonders hoch, da ich immerhin bei einem von sechs WM-Punkten von BAR live dabei war. Siebter war meiner Meinung nach Fisichella, Achter Villeneuve, dann folgten Heidfeld und Coulthard (er mit zwei Runden Rückstand, dachte ich). Bis auf Coulthard hatte ich alles richtig angenommen, der Schotte hatte aber nur eine Runde Rückstand und deshalb am Schluss auf Platz 7.
In meinen Ohren hörte ich nur noch ein surren von den Motoren, auch wenn schon alles verklungen war. Wir blieben noch eine Weile auf unseren Plätzen, Eva wollte noch die ausgefallenen Wagen fotografieren, aber dies war unmöglich, da sich sofort eine grosse Meute um die Autos versammelte. Die Fans waren fast alle auf die Strecke gestürmt, einige Ferrari-Fans küssten die Strecke wie man es auch häufig im Fernseher sieht, doch live sieht das doch noch ein wenig lächerlicher aus. Wir verweilten aber ruhig bei unseren Stehplätzen und liessen die grösste Meute erst mal nach Hause gehen, bevor wir uns überhaupt ein wenig bewegten.
Auf dem Weg zurück zum Zeltplatz brauchten wir natürlich so lange wie sonst noch nie, immer wieder gab es Stau, aber damit musste man leben, denn die Organisatoren haben mit 150000 Zuschauern gerechnet, und die wollten natürlich alle zum gleichen Zeitpunkt zum Ausgang. Irgendwie schafften wir es dann doch, zu unserem Zelt zu kommen.
Danach gingen wir erneut in die Einkaufsstrasse, Eva kaufte sich noch eine Finnlandfahne mit einem McLaren drauf, Mathys konnte sich lange nicht entscheiden, wofür er sein letztes Geld ausgeben soll. Zum Schluss entschied er sich für einen Englandschal. Als wir die Einkaufsstrasse von ganz vorne nach hinten und wieder zurück marschiert waren, gingen wir zum Zeltplatz und packten das Zelt zusammen. Platz in der Hülle hatte allerdings nicht mehr alles, die Zeltstangen mussten separat getragen werden (von mir *nerv*). Um etwa 17 Uhr machten wir uns auf den Weg weg von der Strecke. Wir mussten unseren mittlerweile geliebten Ort also wieder verlassen. Bevor wir zum grossen Marsch ansetzten, kauften wir uns noch etwas zu essen und zu trinken (ich nicht, hatte noch was übrig von der Hinreise), doch dann ging es los. Mit unserem Gepäck und schwingenden Fahnen (jedenfalls bei Dave und mir) marschierten wir in Richtung Bushaltestelle.
Um 19.17 Uhr sollte unser Zug nach Mailand fahren. Doch wir waren schon ein wenig früher dran, um ca. 17.45 Uhr stiegen wir in den Bus von der Strecke zum Bahnhof und kamen in Monza am Bahnhof um 18.10 Uhr an. Wir hatten 7 Minuten Zeit, um auf den früheren Zug zu kommen, und das schafften wir natürlich locker. Der Zug war natürlich wieder voll, wir mussten im Vorraum stehen und immer wieder kamen Leute in den Zug, obwohl es eigentlich keinen Platz mehr hatte. Unsere Fahnen hatten wir immer noch ganz vorne, ich begann trotz Platzmangel zwischendurch meine BAR-Fahne zu schwenken. Um ca. 18.30 Uhr kamen wir in Mailand an, doch dort mussten wir bis 20.10 Uhr warten. Denn erst dann fuhr unser Zug, in dem wir ein Abteil reserviert hatten. Es war uns deshalb nicht möglich, einen früheren Zug zu nehmen. Also gingen wir nochmals vor das Bahnhofgebäude und zeigten Eva und Dave das Hochhaus, wo das Flugzeug reingeflogen ist. Danach setzten wir uns auf dem Bahnhofplatz auf den Boden, doch wir wählten eine schlechte Stelle (unter einer Lampe). Wir machten es uns gemütlich, Eva und Dave holten sich etwas zu trinken, Mathys und ich breiteten unsere Fahnen aus (nicht nur unsere, auch die von Dave und Eva). Immer wieder flogen Vögel über uns umher und setzten sich ab und zu auch mal wieder auf die Lampe über uns. Und so kam es, wie es kommen musste. Plötzlich kakkte ein Vogel, Mathys hatte Glück und konnte dem Kot gerade noch entkommen, doch für die Finnlandfahne von Eva war es zu spät. Schön auf dem blauen Strich prangte ein weiss Fleck. Eva würde sich freuen...
Als Dave und Eva zurückkehrten, erzählten wir ihnen vom Unglück und wir entschieden uns, weiterzuziehen. Wir gingen also an den Rand des Bahnhofplatzes und machten es und dort wieder gemütlich. Immer wieder nahmen wir unsere Fahnen und schwenkten sie (ich schwenkte meine Kanada-Fahne so ziemlich ununterbrochen, nur zwischendurch gab ich meiner Hand eine kleine Pause, als ich was trinken musste oder kurz auf die BAR-Fahne umstieg). Die Leute vor Ort schauten uns ziemlich genervt an (warum wohl?), doch uns - vor allem mich - störte dies wenig, da uns sowieso keine Sau kannte. Also schwenkten wir unsere Fahnen einfach weiter.
Das ganze Spielchen dauerte ziemlich genau eine Stunde, danach mussten wir wieder aufbrechen, um unseren Zug noch zu erreichen. Mathys kaufte sich auch noch etwas zu trinken (den Bombe-Drink), ich hatte noch genügend eingepackt. Dann gingen wir weiter, die Rolltreppen hoch und zu unserem Gleis. Unser Abteil befand sich in Wagen 6, also mussten wir noch eine Weile laufen. Das Gepäck war zwar schwer, aber es fiel uns gar nicht so gross auf, jedenfalls mir nicht, denn ich war zu sehr mit dem Schwenken und Ausweichen mit der Kanada-Fahne beschäftigt. Dann gingen wir also in den Zug, etwa 10 Minuten vor Abfahrt, natürlich hatten alle ihre Fahne(n) in der Hand. So schauten uns die Leute im Cisalpino wieder einmal genervt an, einigen hatten wir die Stangen knapp am Kopf vorbeigeschlagen. Aber es beklagte sich niemand laut.
Als wir unser Abteil endlich gefunden hatten, kam das Problem mit dem Ablegen der Tasche und der Fahnen. Nur sehr ungern platzierte ich meine Fahnen über meinem Kopf (so dass ich sie nicht mehr sehen konnte), das Gepäck fand hinter meinem Sitz Platz. Wir stellten uns auf die knapp zweistündige Zugfahrt ein, doch der Zug wollte nicht abfahren. Um 20 nach 8 fuhren wir immer noch nicht, obwohl wir da schon seit 10 Minuten hätten unterwegs sein sollen.
Mit 20 Minuten Verspätung ging es dann doch endlich los, doch wir machten uns Sorgen, dass wir unseren Anschluss in Brig verpassen würden. Dort hatten wir nämlich nur gerade 4 Minuten Zeit um umzusteigen. Also verschickte ich schon SMS an meine Schwester, dass sie uns allfällig an einem anderen Ort abholen müsste oder uns zumindest die späteren Anschlüsse ab Brig mitteilen könnte. Doch zurück kam die Antwort, dass es nach dem Zug um 22.04 Uhr (unser Anschluss) nur noch den Cisalpino nach Lausanne gebe (in dem sassen wir gerade), also mussten wir nach Lausanne weiterfahren, wenn wir den Anschluss verpassen sollten.
Die Fahrt war wieder ziemlich unterhaltsam, auch wenn wir alle sehr müde waren. Vielleicht lag es daran, dass wir so viel lachten, auch wenn einige Sachen gar nicht enorm lustig waren. In Stresa (erster Halt nach Mailand) kamen wir weiterhin mit 20 Minuten Verspätung an, ebenfalls in Domodossola. Also hatten wir keine grosse Hoffnung mehr, den Anschluss in Brig zu erwischen. Als mal ein Kondikteur kam, fragten wir ihn, ob der Anschluss warten müsse, doch er gab uns keine genaue Antwort. Wenig später hörten wir aber durch den Lautsprecher, dass alle Leute, die nach Bern fahren müssen, in Brig schnell aussteigen und in den gegenüberliegenden Zug einsteigen sollen. Gut, nach Bern würden wir also noch kommen. Wieder verschickten wir einige SMS, meiner Schwester konnte ich sagen, dass sie nun doch nur nach Bern und nicht nach Lausanne fahren müsse.
In Brig hatten wir dann also ein bisschen Stress, der Bahnhof tauchte urplötzlich auf und wir waren noch nicht ganz bereit um auszusteigen. Also stopften wir noch rasch alles ein wenig zusammen, hinterliessen so wenig wie möglich (abgesehen von ein wenig Abfall haben wir dann doch alles mitgenommen) und machten uns auf dem Weg aus dem Zug. Eva hat ihre Wasserflasche liegen gelassen, doch das duldete ich nicht, da ich langsam aber sicher Durst hatte und nichts mehr zu trinken hatte. Also griff ich mit meiner überfüllten Hand auch noch nach der Flasche. Neben meiner Tasche, der Flasche und den Zeltstangen musste ich natürlich auch noch meine beiden Fahnen schleppen. Ich war also schwer beladen. Trotzdem schaffte ich es mit Müh und Not aus dem Zug und rein in den anderen. Kaum war ich im anderen Zug, schlossen sich die Türen und es ging weiter Richtung Bern, weiterhin mit ca. 20 Minuten Verspätung. Ich legte zuerst einmal alle Taschen im Gang ab, Eva, Dave und Mathys hatten bereits ein Abteil reserviert. Stück für Stück schleppte ich ins Abteil, zuerst die Flasche von Eva (welch eine Überraschung für sie *g*), dann meine Tasche und zum Schluss meine Fahnen. Die BAR-Fahne hing ich auf (Mathys liess seine McLaren-Fahne ebenfalls herunterhängen, also hatte auch ich das Recht darauf), die Kanada-Fahne legte ich mir wieder um die Schultern. Ich hatte die Fahne im Cisalpino doch sehr vermisst.
Wir richteten uns wieder so gut wie möglich ein, und es war das erste Mal, dass ich mich nicht über einen Zug der BLS beschwerte. Ich war einfach zu müde dafür. Der Tag ging langsam zu Ende, doch wir hatten noch jede Menge Spass. In meinen Ohren brummte es aber immer noch, irgendwie schön, denn so vergesse ich dieses Wochenende so schnell nicht mehr, aber irgendwie auch schädlich... Dave liess und noch die F1-Boliden hören, die er während dem Rennen auf sein Handy aufgenommen hatte, und Mathys und ich schrieben andauernd SMS an reeny.
Ansonsten gab es von der Fahrt nicht mehr viel Wichtiges zu berichten, die Zeit verging schnell und wir lachten natürlich weiter. Die anderen Fahrgäste fragten sich natürlich ab uns, aber das war uns wieder mal egal, da wir immer noch auf niemanden Bekanntes trafen.
Um 23.39 Uhr hätten wir in Bern ankommen sollen, wir hatten etwa 1 Minute Verspätung. Der Zug hatte also den Rückstand wettgemacht. Mit dem hatten wir so ziemlich als letztes gerechnet, aber wir waren natürlich erfreut. Mathys und Dave konnten so noch auf ihren Zug, der um 23.50 Uhr fuhr, und Eva konnte auf ihr Postauto, welches um 23.55 Uhr fuhr. Ich konnte noch ein bisschen warten, bis meine Schwester eintraf, aber das war mir eigentlich egal. Wir verabschiedeten uns voneinander, Eva und ich gingen noch gemeinsam in die gleiche Richtung. Vor dem Postauto verabschiedeten auch wir uns, wobei sich vorher noch die Fahne von Eva bei der Baustellenumrandung verfing. Es gelang uns dann aber trotzdem, die Fahne noch unversehrt aus den Metallstangen zu befreien.
Meine Schwester kam gegen Mitternacht gemeinsam mit meiner Mutter, ich hatte meine Kanada-Fahne abgenommen und deshalb ziemlich kalt (im T-Shirt), aber ich schwenkte weiterhin tapfer meine BAR-Fahne, bis ich ins Auto stieg. Dort hatte ich dann noch eine Beschäftigung: Ich musste die Fotofilme aus der Tasche kramen, damit ich diese gleich einschicken konnte.
Ich musste den beiden noch einiges erzählen, wie es so war und so, und ich liess für mich auch nochmal das ganze Wochenende revue passieren. Die Investition hat sich ganz klar gelohnt, und für mich war klar, dass dies nicht mein letzter F1-Besuch gewesen war. In der Saison 2003 möchte ich mal nach Hockenheim fahren, damit wir auch etwas vom Kommentator verstehen. Und dann wird es auch nicht so problematisch mit dem Geld, da wir uns nicht mehr so enorm mit Fanartikeln eindecken müssen.
Fotos vom Wochenende gibt es hier.
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