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Es sind genau 365 Tage vergangen seit dem letzten Champions-League-Sieg des FC Bayern München. Wer erinnert sich nicht mehr an dieses enorm spannende Finale? Jeder Fan hat die Bilder von eben diesem Mittwoch noch glasklar vor den Augen, als sei es erst gerade gestern gewesen. Kahn hält, SIEG! Die Trophäe ist gewonnen! Ein Horrorfinale, Spannung pur bis fast um Mitternacht.

Um 20 Uhr setzen sich alle Fussballverrückten von einen Fernseher. Egal wo man war, überall merkte man die Anspannung. Wie wird das Spiel ausgehen? Gewinnen wieder einmal die Bayern, oder kann Valencia ihre Vorjahrespleite im Finale wiedergutmachen? Wir werden es noch heute Abend wissen... Fast wäre es jedoch am 24. Mai gewesen. Aber einige Minuten vorher war das Spiel dann doch entschieden.
Die ganze Vorschau auf das Finale, der Rückblick auf die Gruppenspiele und alles haben wir jetzt nochmals gesehen, und wir müssen sagen: Beide Mannschaften hatten gute wie auch schlechte Spiele erlebt. Erinnern wir uns nur mal an das 0:3 der Bayern in Lyon. „Altherrenfussball“ hatte der „Kaiser“ gesagt, und irgendwie hatte er recht. Aber das wichtigste: Seine Mannschaft hat nicht aufgegeben, sie sind wieder aufgestanden, holten sich den Gruppensieg und stehen jetzt wieder – wie schon 1999 – im Finale. 1999... Da war doch was. Ja, 91. + 93. Minute, schreckliche Zahlen für uns Bayernfans. Wie konnte das nur geschehen? Eckbälle sollten verboten werden. Und Nachspielzeit erst recht. Oder doch nicht? Bayern hat den Spiess einfach umgedreht und im Rennen um die deutsche Meisterschaft am 34. Spieltag einfach in der 94. Minute selbst das Meistertor geschossen. So kann es gehen, zuerst hasst man die Nachspielzeit, danach liebt man sie wieder. Und das ist ja das schöne am Fussball!
Zurück zum Spiel, das Finale wird gleich angepfiffen.
Mailand, Giuseppe-Meazza-Stadion, 20.45 Uhr. Alles ist bereit, der Schiedsrichter kann das Spiel anpfeifen. Die Stimmung ist wunderbar, die Fans toben schon vor dem Spiel. Wollen sie damit nur ihre Nervosität vertreiben? Egal, die Teams werden es ihnen danken.
Los geht’s, der Schiedsrichter Dick Jol hat das Spiel angepfiffen.
Valencia greift gleich an. Der Ball kommt in den Strafraum des FC Bayern München, plötzlich ein Pfiff: Elfmeter. Was ist geschehen? Der Ball ist Patrik Andersson an die Hand gesprungen. 2. Minute, Elfmeter für Valencia. Gaizka Mendieta tritt an, und trifft. 1:0 für Valencia nach nicht mal 3 Minuten. Das schnellste Tor der Finalgeschichte war perfekt!
Die Bayern wollten natürlich gleich wieder ausgleichen, stürmten auf das Tor der Spanier zu. Der Ball kommt wieder in den Strafraum, diesmal aber vor das Tor von Canizares. Effenberg hat den Ball am Fuss und wird zu Fall gebracht. Ein Pfiff, wieder Elfmeter.
Mehmet Scholl übernimmt die Verantworten. Er schiesst, der Ball ist unplatziert, aber er rollt aufs Tor zu. Canizares hechtet in die Ecke, kann den Ball aber mit dem Fuss noch abwehren. Kein Tor, Elfmeter verschossen. Die Bayernfans sind traurig, die Fans von Valencia sind am feiern.
Danach blieb das Spiel zwar weiterhin spannend, es gab aber keine Tore mehr. Grosschancen hatten noch beide Teams, so z.B. Mehmet Scholl mit einem angeschnittenen Freistoss in der 27. Minute. Aber der Ball wollte nicht mehr ins Tor.
Halbzeit also, 1:0 für Valencia nach einem Treffer in der 2. Minute.
Nach der Pause gab es bei beiden Teams eine Veränderung: Bei Valencia kam Albelda für Aimar ins Spiel, bei den Münchnern war es Willy Sagnol, der für Carsten Jancker Platz machen musste.
Die 2. Halbzeit begann genau gleich wie die erste, allerdings mit vertauschten Rollen: In der 50. Minute klärte Pellegrino nach einer Flanke von Lizarazu mit der Hand. Klare Sache, wieder Elfmeter für die Bayern. Diesmal trat Stefan Effenberg an, und dieser traf dann auch. Endlich, der Ausgleich!
Danach flachte das Spiel wieder ab. Die Spanier zogen sich zurück und waren auf Konter aus, die Bayern taten auch nur noch das nötigste, doch sie kamen an der sicheren Abwehr von Valencia einfach nicht vorbei.
In der 85. Minute dann ein gefährlicher Konter von Valencia: Slatko Zahovic, der vorher eingewechselt wurde, konnte alleine auf Oliver Kahn zulaufen, doch der Torwart konnte ihm den Ball noch vom Fuss nehmen.
Schon begann wieder die Nachspielzeit. Die Bayernfans versuchten sich nicht an das Spiel von 1999 zu erinnern, und es fiel ihnen nicht sonderlich schwer, da die Bayern mit Carsten Jancker im Angriff waren. Dieser zog aus gut 20 Metern ab und der Ball landete knapp neben dem linken Pfosten.
Das Spiel ist also noch nicht vorbei, 90 Minuten sind gespielt, die Nachspielzeit ist vorbei. Verlängerung also. Maximal 2 Mal 15 Minuten, natürlich mit der Golden Goal-Regel. Wer ein Tor erzielt, ist Champion! Aber wenn man blind aufs gegnerische Tor zuläuft, dann ist die Gefahr zu gross, in einen Konter zu laufen und das Spiel zu verlieren. Also lieber zweimal überlegen, ob man jetzt wirklich ein Solo starten soll oder nicht.
Die Verlängerung beginnt, beide Teams sind entschlossen, den Titel zu holen. Giovane Elber hatte in der 93. Minute den Siegtreffen auf dem Fuss, der er zirkelte den Ball am herauseilenden Torwart Canizares vorbei ins Aus.
Kurze Zeit später tauchte erneut Zahovic vor Oliver Kahn auf, doch der Torhüter war schneller im Eck als der Ball und hielt diesen sicher.
So ging es die ganze 1. Halbzeit der Verlängerung zu, beide Teams hatten grosse Chancen, aber die Torhüter waren wieder mal besser als die Feldspieler.
Im 2. Durchgang der Verlängerung begannen wieder die Bayern druckvoller. Paulo Sergio schlenzte den Ball in Richtung Valencia-Tor, doch der Ball landete knapp neben dem Tor.
Die 120 Minuten waren vorbei, das Spiel war recht ausgeglichen, beide Teams hätten den Sieg verdient. Aber es kann ja bekanntlich nur einen geben. Wer ist es, Bayern oder Valencia?
Mittlerweile ist es 23.15 Uhr. Der 1. Elfmeter wird getreten. Bayern darf oder muss anfangen. Paulo Sergio schnappt sich die Kugel und... Schiesst übers Tor. Die Valencia-Fans sind wieder fröhlich, die Bayernfans wie schon nach dem 1:0 traurig. Aber das sollte sich schon bald wieder ändern. Nicht aber nach dem Elfmeter von Gaizka Mendieta. Dieser verwandelte den Ball sicher im Tor, Oliver Kahn war ohne Chance. Die nächsten 3 Schützen (Salihamidzic, Carew und Zickler) verwandelten ihre Elfmeter ebenfalls ziemlich sicher. Dann trat der bisher erfolglose Zahovic an. Oliver Kahn sprang in die Ecke, reckte die Hand allerdings noch hinauf zum Ball, der in der Mitte des Toren ins Netz fliegen wollte. Kahn konnte den Ball abblocken, das Leder Sprang an die Latte, von dort zurück auf den Rasen und landete... Vor der Linie! Kahn hat den Elfer gehalten. Danach trat Andersson an, der Held vom Samstag in der Bundesliga. Bei einem Freistoss mit so vielen Leuten vor dem Tor wuchtete er den Ball ins Netz, bei einem Elfmeter mit nur einem Torwart im Tor tat er sich dagegen schwerer. Und so kam es, wie es kommen musste. Den 4. Elfmeter der Bayern im Elfmeterschiessen hielt Canizares. Doch Kahn tat es seinem Gegenüber wenige Sekunden später gleich und hielt den Elfer von Carboni. Das Spiel war also wieder ausgeglichen. An dieser Stelle schreibe ich mal ein Zitat von Kahn aus dem BravoSport auf die Frage, was sein Erfolgsgeheimnis sei. Kahn nachdenklich: „Ich war einfach nur voll konzentriert. Ich habe nichts um mich herum wahrgenommen. Das Publikum, die Schützen, die anderen Elfer – ich kann mich an nichts erinnern. Ich war ganz alleine im Stadion mit dem Ball. Ich war wie in Trance, in einem Rausch – so konzentriert wie nie zuvor in meinem Leben.“
Weiter geht’s, Effenberg tritt zu seinem 2. Elfer in diesem Finalspiel an. Und auch diesen verwandelt er sicher. Valencia ist jetzt also unter Zugzwang: Wenn Baraja nicht trifft, dann ist Bayern Sieger! Doch der Pokal wurde noch nicht vergeben, Oliver Kahn hechtete ins falsche Eck.
Nun konnte also bei jedem Elfer die Entscheidung fallen. Die Spieler waren nochmals nervöser, und die Fans hielten es kaum mehr auf der Tribüne aus.
Den nächsten Elfmeter trat der Baske Bixente Lizarazu. Und er verwandelte ihn auch. Wieder war Valencia gefordert. Doch Gonzales gab sich keine Blösse und verwandelte auch diesen Elfmeter. Das Spiel ist wieder ausgeglichen, immer noch ist nichts entschieden. Der mittlerweile 9. Elfmeter für die Bayern trat Thomas Linke. Auch er verwandelte den Ball im Tor.
'Es ist eine halbe Stunde vor Mitternacht. Es ist mucksmäuschenstill, keiner der 74'000 Zuschauer wagt sich zu bewegen. Die Spannung ist brutal. Alle starren gebannt auf den Strafraum. Die Bayern führen im Champions-League-Finale mit 5:4 im Elfmeterschiessen. Cool schlendert Oliver Kahn auf den Platz, schnappt sich den Ball und drückt ihn mit entschlossener Miene Mauricio Pellegrino, Valencias nächstem Schützen, in die Hand. Der Argentinier wirkt nervös. Er muss treffen, sonst hat sein Team dieses Finale verloren.
„Den hast du, Olli“, ruft Kapitän Stefan Effenberg. Pellegrino läuft an. 100 Millionen Zuschauer weltweit sind halb verrückt vor Anspannung. Dann der Schuss, halbhoch in die linke Ecke. Olli fliegt – und hält! Effe springt wie ein Gummiball über den Rasen, Sammy Kuffour schnappt sich eine Eckfahne und führt einen wilden Tanz auf, die anderen begraben Matchwinner Kahn unter sich.' (Zitat von BravoSport)
Die Bayern haben es also wieder geschafft! Der letzte Sieg in der Champions-League lag 25 Jahre zurück! Und die Bayern haben sich diesen Titel hart erarbeitet. Ein Torverhältnis von 23:12 und 39 Punkten holten die Bayern bis zum Finalspiel. Nur Valencia hatte mit nur gerade 9 Gegentoren die bessere Abwehr als die Bayern. Aber auch das nützte den Spaniern nichts. Bayern hatte einfach ein bisschen mehr Glück, denn beide Teams hätten schlussendlich den Erfolg verdient gehabt. Nun sind es aber wieder die Bayern. Ganz Fussballdeutschland feierte, und auch in vielen anderen Ländern der Welt konnte man frohe Gesichter sehen. Aber zwischendurch tauchten immer wieder traurige Fans auf, die vor allem Valencia-Fans waren. Die Bayern-Fans wissen, wie es ist, in einem Champions-League-Finale so kurz vor Schluss noch zu verlieren. Deshalb konnten wir uns auch in die Lage der Spanier versetzen und trauerten auch ein wenig mit ihnen.

Die Party der Bayern dauerte dann noch laaaaaaaaaaange. Um etwa halb 6 Uhr morgens verzogen sich auch langsam die letzten Spieler auf ihr Zimmer. Der Pokal war aber schon früher abgehauen: Giovane Elber hatte in gleich mit auf sein Zimmer genommen.